.hack Part 1: Infection (PS2 2004)

Fakten-Übersicht:
Entwickler: Bandai (Japan) Publisher: ATARI Format: DVD für PS2 Spieler: 1 USK: Geeignet ab 12 Jahren GameSite: .hack PAL erhältlich: 25.03.2004 Genre: RPG.
Ein Online-Rollenspiel das offline gespielt wird? Das klingt unlogisch? Möglich, aber genau das ist ".Hack//Infection" aus dem Hause Bandai. Angelehnt an zahlreiche MMORPG's, zeigt das Game viel Innovation, aber ob es tatsächlich eine gelungene Alternative bietet, erfahrt ihr hier.
In nicht allzu ferner Zukunft: Eine Softwarefirma bringt nach längerer Zeit mal wieder ein Online-Rollenspiel mit dem genialen Namen "The World" auf den Markt. Die Nachfrage ist riesig und schon bald werden rund 20 Millionen User geworben. Darunter auch ein kleiner Junge, dessen Spielfigur ihr in "The World" steuert. Noch eben das Spiel auf die neueste Version gepatcht und schon geht es zu den Anmeldeschritten, die ihr übernehmen dürft. Naja, einen Teil zumindest, denn nachdem ihr eurer Figur einen Namen gegeben habt war es das auch schon. Eines der Hauptelemente eines Online-Rollenspiels, nämlich die Wahl der Rasse und die individuelle Erschaffung eures Charakters in den verschiedenen Klassen fällt komplett weg. Ihr müsst euch mit einem Standardcharakter zufrieden geben, dessen Outfit eher einem Clown ähnelt.
Im Gegensatz zu diesem schwachen Anfang, ist die Story mehr als gut und keineswegs einheitlich. Kaum in "The World" angekommen, trifft man so gleich auf einen der bekanntesten und besten Spieler, Orca. Dieser ist im richtigen Leben ein guter Freund unseres Spielers. Da es sich natürlich anbietet, erklärt er euch erstmal die Grundlagen des Spiels in einer Art Tutorial. Kaum ist dieses beendet, werdet ihr Zeuge einiger Bugs. Orca wird im Spiel vernichtet und am nächsten Morgen erfahrt ihr, dass er im richtigen Leben ins Koma gefallen ist. Einer dieser Bugs erscheint in Form eines kleinen, ganz in weiß gekleideten Mädchens. Von ihr bekomm ihr ein geheimnisvolles Buch überreicht, mit dem ihr später alles aufklären sollt.
Grundlegend wurden aber so gut wie alle Elemente eines guten Rollenspiels eingebaut. Zwar wurde teilweise immer wieder etwas abgespeckt, aber die Atmosphäre eines solchen Titels wird jederzeit gut wiedergegeben. Doch was haben die Entwickler sich nur dabei gedacht, als sie entschieden (oder vergessen) haben die Charakterentwicklung wegzulassen? Anstatt Fähigkeiten aufzustocken oder den Charakter auszubauen steigen lediglich die Basiswerte wenn ihr Erfahrung sammelt. Sehr, sehr schade!
Doch kommen wir lieber wieder zu den erfreulichen Dingen. Habt ihr euch nun endlich registriert geht es nicht sofort in "The World", sondern ihr landet erst einmal auf dem Desktop eures Computers. Dort könnt ihr eure E-Mails abrufen, News lesen und das Spiel speichern. Die E-Mails sind noch mal besonders gut gelungen: Nach bestimmten Abschnitten im Spiel, erhaltet ihr von realen Personen Nachrichten, die ihr zuvor in "The World" kennen gelernt habt. Wenn ihr nun endlich "The World" spielen wollt, geht es zunächst in einen erneuten Login-Bildschirm. Neben dem eigentlichen Login ins Spiel, gibt es noch ein real simuliertes Board. Sehr genial wurden hier Tutorialanweisungen mit der "Sprache der Zocker" verfasst. Da liest man schon mal Smileys wie ";-)" oder "X_x". Wer das Forum genau durchstöbert findet immer wieder gute Tipps oder Ratschläge.
Wenn ihr euch dann ins Spiel einloggt befindet der Spieler sich zunächst in einer Art Hauptstadt. Dort könnt ihr Waffen, Rüstungen oder auch Tränke kaufen. Außerdem tummeln sich dort natürlich auch etliche Mitspieler. Mit diesen könnt ihr zwar weniger kommunizieren, dafür aber umso besser tauschen. Je mehr Zeit und Geduld ihr habt, desto seltener werden die angebotenen Gegenstände.
Habt ihr euch entsprechend ausgerüstet, begebt ihr euch zum Warptor. Dieses Tor ist der Zugang zu jedem Areal in "The World". Doch um zu den verschiedenen Schauplätzen zu gelangen, müsst ihr immer 3 Schlüsselwörter eingeben. Diese findet man im Board oder bekommt sie von anderen Mitspielern. Es ist dabei immer der bessere und sicherere Weg, die vorgeschlagenen Wörter zu benutzen. Beim experimentieren kann es leicht passieren das man in gefährlichen Arealen landet und vom Gegner sofort überrannt wird. Das Problem hierbei ist, das man nicht überall speichern kann und nicht wie in normalen Online-Rollenspielen nach dem Ableben zurück zum letzten Speicherpunkt gesetzt wird, sondern sofort das "Game Over" sieht.
Wenn ihr aber dann einen geeigneten Ort zum Leveln gefunden habt, könnt ihr loslegen. Zwar ist dies der nervigste und langfristigste Part eines Online-RPG's, aber auch mitunter der wichtigste. Um nicht ganz alleine durch die Gegen zu streifen, könnt ihr Partymitglieder anheuern. Von Orca zum Beispiel bekommt ihr die Daten direkt zu beginn, so das ihr ihm eine Flashmail schicken könnt. Da die Spieler aber natürlich auch nicht rund um die Uhr online sind, muss man manchmal eben doch alleine losziehen. Aber auch wenn sie erreichbar sind, entscheiden sie individuell, ob sie gerade Lust auf ein Abenteuer haben.
Wenn endlich alle Vorbereitungen getroffen sind, kann es losgehen. Zunächst findet ihr euch auf einer Art Landkarte. Hier tauchen gelegentlich Gegner auf, die aber eher unwichtig sind, es geht nämlich darum den Eingang zum nächsten Dungeon zu finden. Wenn ihr diesen dann betretet geht es richtig los. Als Kampfsystem wurde hier ein gutes und schnelles Action-KS genommen, auch wenn dies nicht immer ganz sauber läuft. Ihr rennt also um eure Gegner und prügelt auf sie ein. Natürlich dürfen auch Skills und Zauber nicht fehlen. Mit diesen könnt ihr Mitspieler heilen oder Gegner erheblichen Schaden zufügen. Dasselbe könnt ihr auch mit diversen Spruchrollen anstellen, die ihr in Truhen findet. In den Dungeons geht es immer darum, in die unterste Etage zu gelangen, um eine Kiste mit wertvollen Gegenständen zu ergattern. Zwar muss man es manchmal öfters versuchen, da man im getummel doch wieder von irgendeinem Monster niedergestreckt wird, aber alleine die klasse Story spornt zu neuen Versuchen an. Dem Spiel liegt übrigens ein kleines Gimmick bei: Die erste Episode des Animes ".Hack". So was könnten die Entwickler doch öfters als kleinen Kaufanreger beilegen.
Doch wieder zurück zum Game. Da unser "Held" direkt zu Beginn des Spiels in eine Hackerfalle gelaufen ist, hat er nicht nur die Fähigkeiten eines normalen Users, sondern kann auch Gegner die viel größer und stärker sind mit dem Skill Datenentzug hacken, so dass sie in irgendwelche Dinge oder Tiere mutieren. Wendet ihr dies zu oft an werdet ihr selbst von diesem Virus befallen und das Spiel ist vorbei. Damit die 100% nicht voll werden kann man die Rate durch das normale töten von Gegner wieder senken. Außerdem gibt es immer wieder versiegelte Areale, in die keiner der Spieler hinein darf. Wenn ihr aber genug Gegner mit dem Datenentzug getötet habt, könnt ihr diese Tore hacken und das Areal betreten. Für Motivation ist also gesorgt.
Grafik: Grafisch kann das Game leider gar nicht überzeugen. MMORPG's haben ja nie eine sehr ausgereifte Grafik, aber da dieses hier ja gar nicht online gespielt wird, hätte man ruhig mehr Wert darauf legen können.
Vor allem die Außenlevels sind absolut detailarm und total verschwommen. Aber auch die Figuren sind sehr eckig und hätten ruhig besser gestaltet werden können.
Sound: Der Sound hingegen passt zumindest. Techno wechselt sich mit ruhigen Klängen ab und sorgt für Atmosphäre.
Fazit: ".Hack//Infection" war der erste Versuch ein MMORPG offline zu simulieren. Gut gelungen ist es, aber eben nur gut. Hätte man mehr Wert auf Grafik und Präsentation gelegt und die wichtigen Grundelemente von RPG's eingebaut, hätte das Game ein richtiger Hit werden können.
Da können auch die klasse Ideen mit dem Forum und das gute Kampfsystem nichts mehr retten. .Hack bleibt also doch nur etwas für Fans des Genres, alle anderen spielen Probe.
Features:
Pro: klasse Storymotivierend und innovativsehr Umfangreichgutes KampfsystemAnime-DVD als Gimmick
Contra:
technisch schwachteilweise alleine sehr schwerGrundelemente wie Charakterentwicklung fehlen komplettlangweiliges Levelsystem
Wertung:78 %Test von: Andre Hecker.
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